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Aufgrund der aktuellen Pandemiebestimmung sind Anfragen für unser Seminarhaus wieder möglich.

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Am kommenden Sonntag um 15 Uhr findet die diesjährige Mitgliederversammlung des Vereins Dokumentationsstätte zu Kriegsgeschehen und üebr Friedensarbeit Sievershausen im Antikriegshaus statt. Mitglieder und an einer Mitgliedschaft interessierte Gäste sind herzlich eingeladen

Zum Shoah-Gedenktag

Sonntag, 31. Januar 2021, 16 Uhr

Ich lebe doch noch – die wahre Geschichte von Hanna Mandel

theater odos (Münster)

 

  Leider musste das theater odos pandemiebedingt absagen.

Über einen möglichen Ersatztermin werden wir 

so bald wie möglich informieren

 

Die Veranstaltung sollte online aus den Räumen des Antikriegshauses übertragen werden. Leider wurden die Bedenken wegen des Zusammentreffens mehrerer Personen in einem Raum zu groß, so dass wir schweren Herzens diese für uns wichtige Veranstaltung zum Shoa-Gedenktag zurückziehen. Der Bereich der Kultur hat unter den Pandemie-Auflagen schwer zu leiden – eine Aufmunterung für alle kulturell und politisch Interessierten lag uns sehr am Herzen. Jetzt müssen wir mit einer erneuten Enttäuschung leben.

Wir werden diese Aufführung nachholen, sobald Präsenz-Veranstaltungen wieder möglich sind.

Der 27. Januar ist seit nunmehr 25 Jahren in Deutschland offizieller Gedenktag für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und wird seitdem im Antikriegshaus mit einer Veranstaltung begangen. Für dieses Jahr war die Aufführung des Theaterstücks über Hanna Mandel geplant, in Erwartung vieler Zuschauer*innen an einem Sonntagnachmittag in der Sievershäuser St. Martinskirche. Nun hat das Virus alles verändert, eine Veranstaltung mit Publikum ist nicht möglich, weder in der Kirche noch im Antikriegshaus. 

Das Theaterstück „Ich lebe doch noch“ über eine Frau, die ihre gesamte Familie in Auschwitz verloren hat, ist mehr als eine Vergangenheitsbewältigung der Gräueltaten der Nazis. Der Münchener Theologe Norbert Reck hat in langen Gesprächen die Auschwitz-Überlebende Hanna Mandel interviewt. Mandel reflektiert in diesen Gesprächen ihre Erfahrungen und beschreibt die Schlussfolgerungen, die sie für ihr eigenes Leben daraus gezogen hat.

Das Buch von Norbert Reck endet nicht mit der Befreiung der Konzentrationslager. Da fängt die Geschichte von Hanna Mandel erst an. In ihren Schilderungen stecken die widerstrebenden Gefühle von Hanna – und vielleicht jeder Überlebenden. Wut, Trauer, Vergeltung, Unglaube und Gerechtigkeitssinn überlagern sich, wechseln sich ab, verbinden sich zu einem der heftigsten psychischen Cocktails, den ein Mensch empfinden kann.

Nach und nach beginnt Hanna ihr Leben zu ändern. Sie hinterfragt die Religiosität ihres Mannes, die Rolle der Frau in der Gesellschaft und führt schließlich ein selbstbestimmtes Leben. Und als sie im Fernsehen eine Trauerfeier zur Erinnerung der Holocaust-Opfer sieht, sagt Hanna: “Aber ich lebe doch noch!” Denn als Überlebende mit all ihren Traumata fühlt sie sich vergessen.

Ein Theaterstück, dass die Kindheit in einer jüdischen Familie, den Holocaust und das Leben mit den Erfahrungen in den Konzentrationslagern zu einem einfühlsamen und nachdenklichen Erlebnis verbindet.

Gefördert durch den Fonds Frieden stiften der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und das Nagelkreuzzentrum Sievershausen. 

Die Übertragung wird unterstützt durch das kreHtiv Netzwerk Hannover und den 

Ruth WeissBegegnung mit der Journalistin und Schriftstellerin Ruth Weiss

Ruth Weiss wurde 1924 als Tochter jüdischer Eltern in Fürth geboren, nach der machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte sie mit ihren Eltern 1936 nach Johannesburg in Südafrika. So überlebte Ruth Weiss die Shoa.

Die Diskriminierungserfahrungen im nationalistischen Deutschland und der schwierige Neuanfang in Südafrika machten sie früh zu einer kritischen Beobachterin der Apartheidspolitik in ihrer neuen Heimat. Die politischen Entwicklungen in und um Afrika haben sie ihr Leben lang beschäftigt.

1954 begann Ruth Weiss für verschiedene internationale Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben. Den gräßten Teil ihres Berufslebens verbrachte sie im südlichen Afrika.

Sie setzte sich als Journalistin in Südafrika insbesondere gegen die Apartheid ein. In der Folge wurde sie zur "Persona non grata" erklärt und erhielt Einreiseverbot. Ruth Weiss hatte früh Kontakte zu führenden Vertretern der Anti-Apartheidsbewegung.

Im Jahr 1966 verließ sie Südafrika. Sie arbeitet in den Folgejahren in Südrhodesien, wurde wegen ihrer kritischen Berichterstattung zru Menschenrechssituation wiederum des Landes verwiesen. Danach arbeitet Ruth Weiss u. a. in Sambia und begleitete den Unabhängigkeitsprozess in Zimbabwe.

Ruth Weiss war als Journalistin u. a. für den Guardian, die Financial Times und die Deutsche Welle sowie für zahlreiche afrikanische Medien tätig.

2002 kehrte sie in ihre Geburtsland Deutschland zurück und widmete sich verstärkt ihren schriftstellerischen Ambitionen. Neben Sachbüchern und biographischen Berichten hat sie zahlreiche Romane vorgelegt. Zu den bkanntesten gehören "Meine Schwester Sara" und "Der Judenweg". 2005 wurde Ruth Weiss für den Friedensnobelpreis nominiert

Kinder im KZ Bergen-Belsen

Vortrag von Diana Gring

Historikerin in der Gedenkstätte Bergen-Belsen

Aufgrund seiner spezifischen Geschichte als „Austauschlager“ für Juden, die gegen Auslandsdeutsche ausgetauscht werden sollten, sowie als Ziellager von Räumungstransporten aus anderen Konzentrationslagern, die einen hohen Anteil an minderjährigen Sinti und Roma sowie jungen jüdischen Häftlingen aufwiesen, waren im KZ Bergen-Belsen überdurchschnittlich viele Kinder inhaftiert. Unter seinen rund 120.000 Häftlingen aus fast allen europäischen Ländern befanden sich mindestens 3.000 Kinder unter 15 Jahren, die meisten von ihnen jüdischer Herkunft. Viele dieser Kinder starben an Hunger, Durst, Krankheiten und Gewalt – ihre genaue Zahl wird nie zu ermitteln sein. Die wenigen, die überlebten, waren für ihr ganzes Leben durch die erlittenen Qualen physisch und psychisch geprägt und traumatisiert.

Seit mehreren Jahren stellt das Thema „Kinderhäftlinge“ einen Forschungsschwerpunkt der Gedenkstätte Bergen-Belsen dar. Hier ist die Historikerin Diana Gring seit mehr als 15 Jahren tätig. Sie hat vielfältige Text- und Bildquellen zusammengetragen und rund 120 lebensgeschichtliche Videointerviews mit Kinderüberlebenden des KZ Bergen-Belsen geführt. Ihre Präsentation im Antikriegshaus wird aus diesen Quellen schöpfen und anhand von Einzelschicksalen, Selbstzeugnissen und Filmauschnitten einen Eindruck von der spezifischen Lebenssituation der Kinder im KZ Bergen-Belsen und den Folgen der Verfolgung vermitteln.

Auf der Basis einer systematischen Auswertung dieses Quellenbestands entsteht zur Zeit mit Diana Gring als Kuratorin eine Wanderausstellung. Die Erstpräsentation dieser Ausstellung ist für April 2018 in der Gedenkstätte Bergen-Belsen vorgesehen. Sie soll hier für etwa ein halbes Jahr gezeigt und von einem abwechslungsreichen Programm begleitet werden, zu dem auch Begegnungen mit Überlebenden gehören werden, die als Kinder im KZ Bergen-Belsen inhaftiert gewesen sind.

1996 hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar, Tag der Befreiung von Auschwitz durch die sowjetische Rote Armee, zum nationalen Gedenktag für die Opfer der Verfolgung durch den Nationalsozialismus erklärt.

 

Nun sind wir in Lehrte so weit: wir können die ersten 21 Stolpersteine verlegen. Stolpersteine – da stolpert man doch gar nicht drüber, sagt jemand. Ein kurzes Nachdenken, dann antwortet ein Jugendlicher: „Nein, nein, man stolpert nicht und fällt nicht hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“ Die Stolpersteine sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden, jüdische Mitbürger/innen, Sinti und Roma, politisch und religiös Verfolgte, Zeugen Jehovas, wenn sie den Kriegsdienst verweigerten – was das Normale war, Homosexuelle , Euthanasieopfer, oder Deserteure, letztlich also Menschen, die in ganz besonderer Weise unter dem nationalsozialistischen Terrorsystem leiden mussten, Menschen, denen Menschenwürde und Menschenrechte genommen wurden.

Jedes Opfer erhält einen eigenen Stein, denn jeder Mensch ist ja eigene eigene, eigenständige Persönlichkeit. Den Opfern des Naziregimes, die im Konzentrationslager zu Nummern degradiert wurden, wird ihr Name zurückgegeben.

Wenn wir uns über den 10x10x10 cm großen mit Messingplatte überzogenen Stein beugen, um Namen und Daten auf den Stolpersteinen zu lesen, dann kann das auch wie eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Und auf noch eines können uns die Stolpersteine hinweisen: Sie werden dort verlegt, wo die verfolgten Menschen ihre letzte frei gewählte Wohnung hatten. Häufig ist das mitten in dicht besiedelten Gebieten. Kann es dann sein, was so viele als Schutzbehauptung vorbringen: „wir haben davon nichts gewusst, von den Deportationen und so!“ Kann das wirklich sein? „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ sagt Gunter Demnig, der die Idee zu diesen Stolpersteinen hatte und mit dieser Idee viele Menschen gewonnen hat, sich mit der Geschichte ihres Wohnortes im Nationalsozialismus auseinander zu setzen, sich dieser Geschichte zu stellen. Die Menschen, denen ihr Menschsein abgesprochen und gestohlen wurde, wieder zu unseren Mitbürgern und Mitbürgerinnen werden zu lassen, zu Menschen, die zu uns gehören. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE … Ein Stein, ein Name, ein Mensch. Die Erinnerung an die Verjagten, Deportierten wird also dorthin zurückgeholt, wo sie einst ihren Platz hatten, wo sie Nachbarn waren. Denn das waren sie doch: Nachbarn, jede/r Deportierte wohnte bei irgendjemanden nebenan, ging zum selben Bäcker, machte Pause auf denselben Parkbänken, hatte sein Konto bei derselben Bank, trank sein Feierabendbier in derselben Kneipe, war Mitglied im Sportverein, bei den Schützen, in der freiwilligen Feuerwehr, ihre Kinder waren Mitschüler und Mitschülerinnen, spielten mit den anderen Kindern – so lange sie durften. Denn für jüdische Kinder nahm diese Freiheit z.T.schon früh im Nationalsozialismus ein Ende.

Heute verlegen wir in Lehrte die ersten 21 Stolpersteine, zwei  für aus politischen Gründen Verfolgte, Menschen also, die den Mut hatten, sich gegen das Naziregime zu äußern, erkennen zu lassen, dass sie die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus nicht bereit waren zu akzeptieren und zu übernehmen. Freie Meinungsäußerung würden wir das heute nennen. Damals war es lebensgefährlich und in den Akten werden solche Politischen als BV geführt, was die Abkürzung für Berufsverbrecher ist. Also: freie Meinungsäußerung, das Eintreten für Recht und Gerechtigkeit - ein todbringendes Verbrechen. Beide haben ihren Mut mit ihrem Leben bezahlt, August Bödecker und Robert Lohmeier. 19 Stolpersteine verlegen wir für jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen. Mitmenschen, die mittendrin gelebt haben, Nachbarn waren, ihrem Tagewerk nachgingen wie alle anderen auch in Lehrte. Ihre Kinder gingen mit den anderen zur Schule. Eugen Breuer, wohl Jahrgang 1919, ein ehemaliger Schüler des Reformrealgymnasiums Lehrte schreibt in einem Nachkriegsbericht, den er aus sehr persönlicher Sicht verfasst hat unter dem Titel „Soldat unterm Hagenkreuz“ zu den Mitschülern Folgendes: „An unserer Schule hatten wir fünf jüdische Mitschüler: die Brumsack-Geschwister,die Simon-Brüder und Alfred Katz. Letzterer war so alt wie ich und ging in die Parallelklasse. Die Brumsack-Geschwister waren jünger als ich,der eine Simon älter, der andere jünger als ich.Ich weiß nicht mehr, wann wir  unsere jüdischen Mitschüler aus den Augen verloren haben. Wahrscheinlich haben sie die Schule noch während der Schulzeit meines Jahrganges, also vor 1938, verlassen müssen.“

So weit Eugen Breuer. Alles geschah mittendrin. Kinder mussten die Schule verlassen, Mitmenschen mussten fliehen wie die Simon-Söhne und ihr Vater oder Kurt Weiler. Nachbarn wurden aus den Wohnungen herausgetrieben, abtransportiert in Konzentrationslager. Jeder, jede konnte es sehen, hat es miterlebt. „Davon haben wir nicht gewusst!“ – das ging gar nicht in einer Stadt wie Lehrte. Vielleicht war das eben so wie ein alter Mann in einem Gespräch beim Zug der Erinnerungen gesagt hat: „Wir haben gelernt nicht zu sehen, was wir nicht sehen sollten, nicht zu hören, was wir nicht hören sollten,und nicht zu sagen, was wir nicht sagen sollten.“ Heute holen wir diese Menschen symbolisch zurück in unsere Mitte. Sie erhalten ihre Namen zurück, und ihre Namen werden da unübersehbar sein, wo diese Menschen gelebt haben, wo heute ihr Kinder und Kindeskinder als unsere Mitbürger und Mitbürgerinnen, Mitschüler und Mitschülerinnen leben könnten, wenn die Ideologie des Nationalsozialismus sie nicht zu Nicht-Menschen degradiert hätte und die Mehrheit der Mitmenschen das mitgemacht haben. Richard von Weizäcker, damals Bundespräsident, hat in seiner Rede zum 8. Mai 1985 uns das ins Stammbuch geschrieben: „Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie lässt sich ja nicht nachträglich andern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“

Menschenrechte und Menschenwürde – beide sind für uns ein Geschenk, aber auch ein Auftrag. Wenn wir diesen Auftrag, niemanden jemals seine Würde und seine Rechte als Mensch abzuerkennen oder vorzuenthalten, spüren und in unser Leben miteinander und füreinander hineinnehmen, dann könnten wir immun gegen neue     Ansteckungsgefahren sein, die oft die alten sind. Dass uns das gelingen möge, auch dafür legen wir heute Stolperst eine in Lehrte, über die man mit dem Kopf und mit dem Herzen stolpert.

Vielen Dank.

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