Freiwilliger im Antikriegshaus vermittelt Bild vom Leben unter der Apartheid 

Ayanda Mbete (rechts) aus Kapstadt in Südafrika absolviert im Antikriegshaus Sievershausen seit September vergangenen Jahres seinen Freiwilligendienst im ‚weltwärts‘-Programm des Internationalen Christlichen Jugendaustauschs. In diesem Rahmen In diesem Rahmen hat er unter der Leitung der Präsidentin des Antikriegshauses Gisela Fähndich (2.v.r.), zusammen mit Rieke Könecke und Nele Käferlein (1. u. 2. v.l.), Schülerinnen des Lehrter Gymnasiums, während eines einwöchigen Praktikums eine Ausstellung zum Thema Apartheid in Südafrika erarbeitet und das Ergebnis am vergangenen Freitag vorgestellt, nicht zufällig zeitnah zum Gedenken an die Ermordung von Martin Luther King am 4. April 1968 in Memphis. 

 Ayanda Mbete, 21-jähriger College – Absolvent mit Diplom für Business-Management, hat bereits vor 5 Jahren gemeinsam mit Freunden die Organisation ‚Township Youth Movement‘, die mit Bildungsangeboten für junge Menschen den Folgen der Rassentrennung entgegenwirken will, die auch ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Apartheid das Leben der Menschen beeinträchtigen. Apartheid -  das war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die gesellschaftspolitische Waffe der Minderheit aus so genannten Kapholländern und europäischen Weißen, um die hauptsächlich schwarzeBevölkerungsmehrheit zu unterdrücken, „indem man sie nicht mehr als Menschen wahrnahm, die auch das Recht auf Rechte hat“, so Ayanda Mbete, der hier die Unterdrückung speziell im Bildungsbereich hervorhob. Die so genannte ‚Bantu-Erziehungspolitik‘ stellte sicher, dass schwarze Kinder und Jugendliche ausschließlich in Afrikaans, der Sprache der weißen Herrscher und eine Fremdsprache für alle anderen, unterrichtet wurden und dass die Bildungsinhalte nur eine Qualifizierung für einfachste, niedere Tätigkeiten erlaubten. Ansonsten war das Leben geprägt durch Einschränkungen für Schwarze im öffentlichen Raum, wie sie sonst nur die „Rassegesetzgebung“ der Nationalsozialisten kannte. Rassismus in Reinkultur. „Die Schwarzen wurden als eine aus der Gnade gefallene Rasse angesehen, die sich nicht unter Weiße mischen durften oder sich freundlich mit Weißen unterhalten durften“, schildert Mbete das Lebensgefühl seines Volkes in jenen Tagen. Die aufgestaute Empörung der Menschen führte zu den Protesten, deren gewaltsame Niederschlagung am 21.3.1966 mit vielen Toten auch bei uns als das ‚Massaker von Sharpville’ bekannt wurde. Ähnlich traurige Berühmtheit erlangte der 16. Juni 1976, als in Soweto (Johannesburg) ein Streik gegen die ‚Bantu-Erziehungspolitik‘ durch die Polizei mit einem Blutbad unter den SchülerInnen beendet wurde.

Die Ausstellung schildert die Entwicklung der südafrikanischen Opposition, bei uns natürlich in erster Linie mit dem Namen Nelson Mandela verknüpft, und die Wirkung der zunehmenden internationalen Isolation Südafrikas auf die herrschende Nationale Partei. Faktoren für einen gesellschaftlichen Wandel, dermit geheimen Gesprächen an verschwiegenen Orten begann und schließlich in den von de Klerk und Mandela geführten Weg zum gesellschaftlichen Frieden, hin zur ‚Regenbogennation Südafrika‘ mit dem uneingeschränkten Wahlrecht für die schwarze Mehrheit mündete. Die Ausstellung schildert aber auch die Hindernisse für den Friedensprozess, wie die Ermordung des ANC-Spitzenmannes Chris Hani durch einen rassistischen Weißen. Ayanda Mbete wies auch auf die wichtige Rolle der Kommission für Wahrheit und Versöhnung und ihres Vorsitzenden Bischof Desmond Tutu hin. Zum Abschluss seines Vortrages machte er deutlich, dass es weiterhin erheblicher Anstrengungen bedarf, um die von der Apartheid hinterlassenen Strukturen der Ungerechtigkeit in vielen Bereich zu überwinden.

Rieke Könecke und Nele Käferlein beschlossen die Veranstaltung mit einem Bericht über ihr einwöchiges Praktikum und zeigten sich erfreut über die angenehme Arbeitsatmosphäre und die Möglichkeit, ein Thema zu behandeln, das in ihrem Lehrplan nach ihrer Ansicht zu kurz kommt. Besonders beeindruckt hat beide Mädchen das Zeitzeugengespräch mit Herrn Schütte, einem weißen Südafrikaner, der ihnen eindrücklich seinen persönlichen Wandel vom Rassisten zum überzeugten Verfechter der Regenbogen-Nation vermitteln konnte. „Ich habe beim Erarbeiten dieser Ausstellung aufs Neue gelernt, wie falsch Rassismus ist, und wie wichtig es ist, diesem keine Chance zu geben“, sagte Rieke Könecke, und Nele Käferlein bemerkte, dass sie aus dieser Woche mehr mitgenommen habe, als es durch ein Praktikum im Kindergarten der Fall gewesen wäre.